Neue Infrastrukturen

vertikaler Freiraum von Isabel Zintl

Im Zeitalter der fortschreitenden Globalisierung sind die Metropolen der Welt immer stärker dem Druck ausgesetzt, sich im verflochtenen Städte- und Wirtschaftssystem zu positionieren. Der globale Trend zur Wissensökonomie führt weltweit so zu einem zunehmenden Wettstreit der Städte um Innovation, Kreativität und Talente. Die Kulturwirtschaft erlebt heutzutage ein starkes Wachstum. Somit erweißt sich die Kultur- und Kreativwirtschaft als ernstzunehmender Bestandteil der Stadtökonomik. Die Kultur in der Stadt hat also nicht nur als gesellschaftlichen, ästhetischen oder moralischen Gründen wichtig, sondern ist inzwischen auch aus ökonomischer Sicht unverzichtbar.

Stuttgart hat die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft für die Wissensökonomie und für die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt erkannt. In ihrem Bemühen, den Status Stuttgarts im Wettbewerb um die Bindung gut ausgebildeter Talente zu verbessern, suchen die Politiker und Stadtverwaltung Stuttgarts nach attraktiven Konzepten.

Die Aufgabe war somit einen Ort für Stuttgart zu schaffen, einen Raum der den Austausch zwischen Kultur, Forschung und Öffentlichkeit schafft. Zusätzlich möchte dieser neue Ort dabei helfen Talente, das Potenzial einer Stadt, anzuziehen und an die Stadt zu binden.

Nach langer Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es für Stuttgart wohl die beste Lösung sein könnte, junge Talente an die Stadt zu binden. Viele junge Menschen kommen aus der ganzen Welt, um in Stuttgart ihre Ausbildung zu absolvieren. In Stuttgart befinden sich momentan ca. 51.000 Studenten, diejenige nicht mitgerechnet die eine andere Ausbildung in der Metropolregion Stuttgart genießen. Das größte Potenzial für Stuttgart liegt meines Erachtens darin, diese jungen und aufstrebenden Talente zu fördern und an die Stadt binden zu können.
Der neue Raum soll einen Austausch zwischen Institutionen von Kultur und Forschung schaffen.
Doch wie kann man Institutionen verknüpfen? Worin liegt das Potenzial dieser Institutionen? Es sind die jungen Talente. Schafft man eine Verbindung und einen Austausch dieser Talente – kann man diese Institutionen nicht nur oberflächlich sondern tiefgründig und nachhaltig verbinden.  Für mich soll diese Einrichtung eine Symbiose mit den bestehenden Institutionen eingehen. Das heißt der neue Ort soll das offerieren was die jungen Talente in ihren Institutionen möglicherweise bislang vermisst haben. Am besten lässt sich dieser Ansatz anhand von Beispielen erklären: Die Institutionen Stuttgarts, wie z.B. Universitäten beherbergen umfassende Bibliotheken, sie haben das Wissen, stehen für traditionelle Werte und vermitteln hin und wieder auch einen etwas eingestaubten Eindruck. Der geplante Raumrohling soll, dass pedant hierfür sein, dh er soll Raum und Platz bieten, Innovationen und Freiheit schaffen und die Kreativität fördern helfen. Das Raumprogramm ist so auf die Bedürfnisse junge Talente abgestimmt.

Meine neue Organisation verortet sich in einem Infrastrukturgebäude. In vielen Innenstädten findet man eine hohe Dichte an Infrastrukturellen Gebäude. Diese oft einseitig genutzten Bauten könnten für die Zukunft ein großes Spektrum an Bespielungsarten aufweisen. Da in den Innenstädten häufig eine hohe Nutzungsdichte herrscht und es wenig Raum für die offene und kreative Verwirklichung gibt, könnten diese Infrastrukturellen Gebäude im Stadtgefüge eine ganz neue und wichtige Rolle übernehmen. Städte wie Stuttgart sind in Ihrem Kern und in Ihrer baulichen Struktur schon sehr weit entwickelt, dh man findet nur wenige Orte die eine gewisse Nutzungsoffenheit anbieten. Betrachtet man Städte wie Leipzig oder Berlin, findet man eine ganz andere städtebauliche Struktur vor, in diesen Städten zieht sich die „Brache“, dh offene ungenutze Fläche, mit Ihrer situativen Offenheit, teilweise bis in die Kernbereiche hinein.
Daher könnten diese bisher einseitig genutzten Infrastrukturgebäude für Stuttgart, und für die kulturelle Innenentwicklung der Stadt eine wichtige Rolle einnehmen.
Somit sehe ich, meinen Projektvorschlag der additiven Nutzung des „Raumrohlings“ Parkhaus, als ein Pilotprojekt in diesem Gedanklichen Zusammenhang. Das Projekt soll Aufmerksamkeit für diese Gebäude und deren bestehendes Raumpotenzial lenken.

Grundsätzlich soll mein ausgesuchtes Parkhaus ein Parkhaus bleiben – dh die Nutzung als Parkhaus und die Befahrbarkeit soll weiter gewährleistet sein. Die Nutzung der neuen Organisation ist ein additiver Gebrauch des Gebäudes. Das Parkhaus soll immer in den Urzustand zurücksetzbar sein. Ich sehe das Parkhaus als ein Regal in das zusätzliche Nutzung eingeschoben werden können.
Im Parkhaus wird es unterschiedliche Klimazonen geben, da das Gebäude Außenraum bleibt und keine Fassade erhält. Da die eingeschobenen Schubladen und Nutzungen auch im Winter verwendet werden können sind diese witterungsgeschützt und klimatisiert.
Um im Parkhaus auch andere Nutzungen zu ermöglichen musste ein Einschnitt in das Gebäude gemacht werden. Durch diesen Einschnitt kommt nicht nur Licht in das Gebäude, sondern es entsteht auch etwas Neues: Ein Atrium artiges Herzstück in der Mitte. Es entsteht ein Garten.
Das üppig fließende Grün schafft einen interessanten Kontrast zum statischen und rohen Gebäude.

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