URBAN LOGISTICS

von Steffen Raiber und Oliver Teiml

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Obwohl die Logistikbranche für Transport, Bereitstellung und Lieferung von Gütern immer
mehr Raum in Anspruch nimmt und sie, bezogen auf die Masse, zu den bedeutensten
Veränderungen des gebauten Raumes der letzten 10 Jahre gehört, bleibt sie im aktuellen
Diskurs von Architektur und Stadtplanung weitestgehend unbeachtet.
Dabei spielt Logistik in unserer modernen Konsumgesellschaft eine zentrale Rolle. Zu
jeder Zeit ist alles verfügbar. Es gibt kaum Wartezeiten, alles ist nur einen Mausklick
entfernt, Konsum 24/7. Parallel zu diesem Trend erhöht sich die Zahl der Einwohner
innerhalb der Städte, sowie die Anzahl der Singlehaushalte. Verkehrsaufkommen und
Transportkosten steigen, als Folge dieser Entwicklungen. Dem versuchen sich die Städte mit
Umweltrestriktionen und Einfahrgebühren zur Wehr zu setzen, da Umwelt und Lebensqualität
für die Bewohner der Stadt einen immer höheren Stellenwert erfahren. Die Versorgung der
urbanen Gebiete auf herkömmliche Weise wird somit immer schwieriger.
URBAN LOGISTICS zielt darauf ab den Zusammenhang von Städten, als unseren wichtigsten
Lebensraum und Hauptschauplatz unseres westlichen Lebensstils, und den dafür
notwendigen Logistik-Infrastrukturen, die diesen Lebensstil erst ermöglichen, herzustellen.
Architektonisch wird das Konzept durch die Entwicklung der Typologie
„ZWISCHENSPEICHER“ umgesetzt. Die Zwischenspeicher sind auf Anlieferung optimierte
öffentliche Gebäude, die als quartiersbezogene Sammeladresse funktionieren. Alle
Lieferungen in einen Stadtteil gehen zunächst an den jeweiligen Zwischenspeicher
und werden von dort entweder abgeholt oder auf ein niedrigeres, umweltfreundliches
Transportniveau (Cargobikes etc.) verladen und zeitlich flexibel ausgeliefert (weniger Retouren).
Da die Zwischenspeicher an besten innerstädtischen Lagen entstehen werden, müssen
sie über ihre Funktion im Logistiknetzwerk als öffentliche, wirtschaftlich erfolgreiche
Gebäude im Stadtraum funktionieren. Dadurch wird der Zwischenspeicher zu einer völlig
neuen Gebäudetypologie und anspruchsvollen Entwurfsaufgabe für Architekten.
Gestalterisch passen sich die Zwischenspeicher an den jeweiligen, urbanen Kontext an,
ihre Identität äußert sich in sogenannten „Corporate Uses“. Das sind Nutzungen, die in
jedem Zwischenspeicher zu finden sind und die ein Funktionieren des Gebäudes
gewährleisten. Das sind die Logistiknutzungen, also Umschlagsflächen, Paketterminals
etc. und die öffentlichen Nutzungen, die den Zwischenspeicher zu einem
hochfrequentierten Ort machen. Durch seine Lage an infrastrukturell günstigen Orten in
bestehenden Einzelhandelszentren mit hoher Einwohnerdichte, liegt er auf den
alltäglichen Wegen der Stadtbewohner, was die Selbstabholung von Lieferungen
begünstigt.
Dabei erfüllt der Zwischenspeicher drei städtebauliche Funktionen: Versorgung, Aktivierung
und Optimierung, wobei die Ausprägung dieser Funktionen vom jeweiligen urbanen Kontext
abhängt. Daraus ergeben sich drei Arten von Zwischenspeicher: „City“ für Zentrumslage
mit einer hohen Einzelhandelsdichte, „Quartier“ für innerstädtische Stadtquartiere mit
hoher Einwohnerdichte, und „Suburbia“ für ländlich geprägte Stadtteile mit einer geringen
Einwohner- und Einzelhandelsdichte.