VOIDS?! Baulücken in Stuttgart

Von Franz Arlart:
Gebäudemodell grundriss 2.og Grundriss EG Konzept-Orte Lageplan perspektive außenraum perspektive gemeinschaftliche zwischenräume Querschnitt Umgebungsmodell unnamed
VOIDS?! Baulücken in Stuttgart
 „Für unsere Landesregierung ist die humane Aufnahme und Integration von Flüchtlingen eine große Herzenssache“
(Winfried Kretschmann zur Asylpolitik in Baden Württemberg).
Die Anzahl an Hilfesuchenden, die nach einer oft lebensgefährlichen Flucht Hilfe in mitteleuropäischen Ländern, vor allem aber in Deutschland suchen, nahm in den letzten Monaten und Wochen stetig zu und ein Ende ist keineswegs in Sicht. Tagtägliche Berichte erschüttern die gesamte Bevölkerung.
Wohnunterkünfte für die Geflohenen sind jedoch nicht bzw. nicht im ausreichenden Maße vorhanden. Daher besteht dringend Handlungsbedarf; einfachen und kostengünstigen, aber trotzdem lebenswerten Wohnraum kurzfristig zu schaffen.
Auf Grundlage dessen habe ich mich in meiner Bachelorarbeit im vergangenen Sommersemester am Institut Wohnen und Entwerfen bei Prof. Dr.-Ing. Thomas Jocher, Universität Stuttgart damit beschäftigt, wie diesem akuten Problem unserer Zeit entgegengewirkt werden kann.
Dabei habe ich einen multilokalen Typus entwickelt und an möglichen bisher nicht nutzbaren Flächen im Stuttgart Stadtgebiet exemplarisch untersucht. Die als Restflächen gesehenen Grundstücke befinden sich an der Gäubahntrasse in den besten Wohnlagen im Norden und Westen der Stadt. Eine soziale Durchmischung bedarf es auch in diesen Stadtbereichen.
Das Stuttgarter Modell der „dezentralen Verteilung“ von Asylbewerbern im Stadtkerngebiet liegt somit dem architektonischen Konzept zu Grunde.
Die Konstruktion in Modulbauweise, gestalterisch und funktional als ein „Holz-Bauklotzsystem“ unterschiedet dabei in Privat- und Gemeinschaftsflächen, die durch Stapelung der einzelnen Wohnboxen ganz selbstverständlich entstehen. Somit ergeben sich auf simple Art und Weise differenzierte Wohnbereiche. Auch baukonstruktiv werden die Vorteile der Modulbauweise genutzt. Eine schnelle Fertigung, einfacher Aufbau und evtl. Abbau mit Verwendung der Module an anderen Orten sprechen für diese Konstruktionsart in Holzbau.
LIVING INTEGRATION I Attraktiver Wohnraum für Flüchtlinge und Studenten
Jeder kennt sie, die heruntergekommen „Flüchtlings-Baracken“ am Rand der Städte, von den meisten Menschen gemieden, ja sogar gefürchtet. Die lieblosen „Containersiedlungen“ sollen die Lösung für unsere europäische Asylproblematik sein?
Mein Entwurf soll beispielhaft aufzeigen, wie auf relativ einfache Art ansprechender und lebenswerter Wohnraum multilokal geschaffen werden kann. Die Bedürfnisse der Geflohenen stehen dabei im Mittelpunkt.
Um eine Stigmatisierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern verhindern zu können, sind einerseits unbebaute, schwierige Grundstücke in hochwertigen Wohngebieten in Stuttgart ausgewählt, anderseits soll in den Unterkünften eine interessante soziale Mischung entstehen.
Studenten und Flüchtlinge wohnen als junge Kreative bzw. Neuankömmlinge, die sich gegenseitig unterstützen. Dementsprechend müssen die Wohnvorstellungen beider sozialer Gruppen beachtet werden und genug Raum für ein gemeinschaftliches Leben entstehen.
Um einen Anreiz zu schaffen für Studenten sich mit Flüchtlingen und Asylbewerben zu umgeben und gemeinschaftlich zu wohnen, ist gedacht, die Wohnräume entgeldfrei zu vermieten.
Als Gegenzug sollen Deutschkurse von den Studenten in den hauseigenen Räumen angeboten werden. Somit entsteht ein Model von Integration und Eingliederung, dabei sind bisher nicht bekannte Verbindungen und Möglichkeiten dieser Mischung zu
erwarten. Ähnliche soziale Projekte in Wien und München zeigen die Erfolge dieser gemeinschaftlichen Wohnformen.
Neben den kleinteilige Wohnunterkünften sind auch mehrere Integrationstreff-Orte angedacht, so beispielsweise in exponierter Lage über dem Rellenberg-Bahntunnel mit Blick über den Stuttgarter Talkessel in unmittelbarere Nähe zu den Wohnbereichen.
Hier soll ein „Integrationscafé“ mit Barbereich entstehen, das von Asylbewerbern in Verbindung mit Studenten betrieben werden könnte. Einerseits soll es als Treffpunkt zwischen den Flüchtlingen und Studenten zum gemeinsamen Verweilen dienen,
andererseits auch aber als Begegnungsstätte mit der Umgebungsbewohnerschaft.
Daher sind ganz besondere Orte in Verbindung mit architektonischen Konzepten zu wählen.
Als Konstruktionsmittel dienen dieselben Module, die auch die Wohnbereiche bilden, die allerdings trotz ihrer Modularität und Einfachheit, multifunktional einsetzbar sind.
Die Frage nach der Unterbringung von Flüchtlingen ist nicht nur eine politische, sondern auch eine architektonische Aufgabe.
Daher soll mein Entwurf als Denkanstoss für einfache aber lebenswerte und ansehnliche Wohnmodelle für Asylbewerber
dienen.